Havelinseln
und Havelfähren in Berlin und Potsdam
Revier Unterhavel / Wannsee
Tiefwerder 

Auf Tiefwerder liegt ein kleines Straßendorf, dass seinen ursprünglichen
Charme bis heute nicht verloren hat.
1914 wurde auf Tiefwerder ein Wasserwerk in Betrieb genommen, welches
bis heute einen Großteil der Berliner Trinkwasserversorgung bewältigt.
Heute ist auf Tiefwerder und dem angrenzenden Pichelswerder eine einzigartige
Naturlandschaft zu finden. Bis 1988 gehörten die Tiefwerderwiesen
offiziell als Enklaver zum Territorium der DDR. Die Besitzansprüche
wurden aber von der britischen Besatzungsmacht so weit unterschlagen,
dass schon 1960 dort Westberliner Kleingärtner siedeln durften.
Offiziell durfte aber auf Tiefwerder bis in die 80er Jahre hinein z.B.
keine Westpolizei patroullieren.
Pichelswerder (und
ehem. Fähren)
Pichelswerder ist mit seinen 29,8 ha Fläche einer der schönsten
Naturereignisse an der Unterhavel. Nördlich an Pichelswerder grenzen
die Tiefwerderwiesen an. Am südlichen Ufer erstreckt sich ein wundervoller
Blick über die nördliche Unterhavel.
Zwischen Pichelswerder und dem Festland verkehrten zu Beginn des 20.Jahrhunderts
vier Fähren:
Nr.1: 1925-1939 Kahnfähre als Ersatz für die 1914 abgerissene
teilweise-schwimmende Sechserbrücke zwischen dem Rupenhorn und
Pichelswerder (damals erbaut für 27.000 Mark und in 12 Jahren von
60.000 Personen genutzt).
Nr.2: 1857-1917 Elektrofähre vom Restaurant Henkel (heute Hotel
Wilhelmshöhe) auf Pichelswerder zu den Restaurants Seeschloß
und Kaisergarten in Pichelsberg [1].
Nr.3: Bis 1910 Kahnfähre von Gustav Poltze von der heutigen Anlegestelle
Freybrücke über die Havel zur anderen Uferseite.
Nr.4: Kahnfähre von Paul Vogt zwischen dem Restaurant Rackwitz
und der Deutschen Bierbrauerei AG (bis 9.9.09 noch mit Nachtverkehr).
Im 19. Jahrhundert, bis zum Bau der Heerstr. 1894 und der Stößenseebrücke
1910, gab es spätestens seit 1857 die Fähren Tiefwerder >
Pichelsberg > Pichelswerder (Hin- und Zurück für 15 Pfg.)
und die Fähre Pichelsdorf <> Pichelswerder (5 Pfg. oder 1/2
Silbergrosche)
1869 gab es außerdem die Ruderkahn-Fähren Stößensee
> Schildhorn > Pichelswerder, Tiefwerder > Pichelsdorf (für
1,5 Silbergroschen) und Pichelsdorf > Pichelswerder. Hinzukam 1875
die Fähre Königgrätzer Garten > Schildhorn > Teufelsgraben
[1].
Am 3.5.1945 wurde die Freybrücke durch eine Fliegerbombe, die die
Sprengkammern der Brücke traf, zerstört. Erst am 16.12.1948
wurde von brit. Pionieren eine Notbrücke errichet, daneben vekehrte
eine Notfähre. 1950 stellt Gustav-Adolf Klahn einen Antrag auf
einen Fähr- und Rundreisebetrieb auf dem Stößensee als
ABM als Zubringerverkehr zur Straßenban 75 vom Freibad Pichelswerder
mit Haltepunkte am Königgrätzer Garten, an der Wilhelmshöhe
und am Seeschloß. Für die Fähre gab es nie eine Genehmigung.
ehem. Fähren Schildhorn <> Gatow
und Weinbergsweg <>
Pichelsdorf
Zwischen 1920 verkehrten zwischen dem Wirtshaus Gatow und dem Schildhorn
von der Gatower Fährgemeinschaft betriebene klobige Holzkähne.
Eine Überfahrt kostete 10 Pfennig (Hin und retour 15 Pfg.). War
das Boot voll besetzt, so bedeutete das für den Ruderer Schwerstarbeit,
dafür erhielten sie immer viel Trinkgeld. 1936 wollte die Söhne
der Gemeinschaftsmitglieder die Fähre nicht übernehmen und
sie wurde eingestellt [1].
1926 richtete der Betreiber des Restaurants Hinz am Weinbergshorn eine
Personenfähre als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für seinen
aus Westpreußen geflohenen Bruder ein. Ein Ponton und ein Fährkahn
(beide mit Außenbordmotoren) verkehrten zwischen dem Schwarzen
Weg und dem Restaurant Hinz. Die Fährmänner Emil Bagniewski
und Ericht Thiel bekamen beide mehr Trinkgeld als Lohn. Bei Bedarf verkehrte
die Fähre ab 1932 auch zum Wassersportverein Blau-Rot, zu Seglervereinigung
Unterhavel und zur Naglowerft (heute Marina-Lanke-Werft, aber nur für
Werftarbeiter). Ende 1940 wurden die Fähren im Krieg eingestellt
[1].
Gatower
Lindwerder (zu Zehlendorf) 

1888 kaufte der Gutsbesitzer Dr. Koch die Insel und erhielt 1899 eine
Baugenehmigung für ein Wohnhaus. Um Baumaterial auf die Insel zu
befördern, war eine Lastenfähre notwendig. Die erste öffentliche
Fähre nahm 1905 ihren Betrieb auf (zum Fährpreis von 5 Pfg.,
Kinder 2 Pfg.). 1926 erhöhte sich das Entgeld auf 10 Pfg. (bzw.
5 Pfg. ermäßigt).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Insel mit Trümmerschutt um
3000 m² Richtung Osten verbreitert, was den Fährweg verkürzte.
1950 ging die Fährpacht an Heinz Carlssohn, der 1952 eine neue
Seilfähre vom Bezirksamt Zehlendorf erhielt. Ab 1956 wurde die
alte 17,56-Meter-lange Seilfähre der Pfaueninsel bei Lindwerder
eingesetzt. In jedem dritten Winter musste aber die neue Pfaueninselfähre
überholt und die Lindwerderfähre als Ersatz 'ausgeliehen'
werden. Im gleichen Jahr kam eine Personenfähre dazu, die 13,15
Meter lang war und 50 Personen fassen konnte. 1968 wechselte der Pächter,
Leonhard Fröhlich wurde neuer Fährmann. Zwischen 1969 und
1971 wurde die Gaststätte auf der Insel neugebaut, in der Zeit
war der Zutritt zur Insel verboten. Im Juli 1971 war der Neubau fertig
und die Fähre nahm ihren Dienst wieder auf, der Fährpreis
lag jetzt bei 40 Pfennigen. 1977 übernahm Klaus Mellin die Fähre
und musste die Fahrpreise auf 1,50 DM erhöhen, da die Betriebskosten
auf 15000 DM pro Jahr kletterten [1].
Die 22 000 m² große Insel Lindwerder ist bekannt für
sein Ausflugslokal, zu dem man mit einer zwölf Meter langen, 36-PS
starken und vierzig Jahre alten Diesel-Personenfähre namens "Lindwerder
II" (Baujahr 1956, 13,15 m lang) von der Havelchaussee über
die 200 m breite Bucht aus gelangen kann. Diese Fähre kann man
von jeder Uferseite aus mit einer Glocke "herbeirufen". Außerdem
verkehrt zwischen dem Festland und der Insel noch eine Wagenfähre
(Baujahr 1956, 17,56 m lang), die aber nur für Ver- und Entsorgungsverkehr,
15 t wiegt und 140 Personen fassen könnte. Die Lindwerderfähre
verkehrt ganzjährig nach Bedarf, nur montags ist Ruhetag Berlin.
Betrieben werden beide Fähren durch den J. Hundhammer-Veranstaltungsservice,
der Fährmann heißt Otto Schülke. Am Westufer der Insel
können auch Ausflugsdampfer anlegen. Der Yachtclub Müggelsee
ist auch auf Lindwerder beheimatet [3].
Fahrpreis: Erwachsene 1 €, ermäßigt 50 ct
Informationen zum Fährverkehr: Tel. 8036584, Fax: 80490825
Auto-Seilfähre "Lindwerder", Foto:
Gammrath (1975) /Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Verkehrsblätter
Personenfähre "Insel Lindwerder", Foto:
Karl-Heinz Schreck (etwa 1965) /Mit freundlicher Genehmigung der Berliner
Verkehrsblätter
Fähre Lindwerder II, Foto:
Suedwestweb
Steglitz-Zehlendorf
Auto-Seilfähre Lindwerder, Foto: Wolfgang
Hilger, 2004
Cladower
Schwanenwerder (und ehem. Fähre) 

Mitte des 19.Jahrhunderts war das damalige Sandwerder noch weitgehend
Wildnis. 1882 erwarb der Lampenfabrikant Wessels die Insel und baute
sie zu einem Landschaftspark aus und verkaufte diverse Grundstücke.
Es wurde eine Verbindungsbrücke zum Festland errichtet. 1889 wurde
eigens ein Pumpwerk zur Wasserversorgung errichtet. 1901 wurde das Eiland
durch offizielle Genehmigung Wilhelm des II. in Schwanenwerder umgetauft.
Auf Schwanenwerden wohnten u.a. der Warenhausbesitzer Rudolph Karstadt,
NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, Hitlers Leibarzt Theodor Morell
und NS-Architekt Albert Speer. Auch für Hitler wurde ein Grundstück
freigehalten. Auch die "Reichsbräuteschule" für
hauswirtschaftliche und NS-ideologische Erziehung wurde auf Schwanenwerder
errichtet. Nach dem Krieg bezog auf der Insel der Verleger Axel Springer
ein Grundstück. In den 70er Jahren wurden viele Häuser abgerissen
und Neubauten entstanden. Heute ist auf Schwanenwerder u.a. das Aspen-Institut
beheimatet [5].
Auf einer Karte von 1907 ist erstmal ein Kahnfähre zwischen Kladow
und Schwanenwerder verzeichnet. Zwischen 1920 und 1924 bestand ein privater
Fährverkehr mit einem Motorboot von Kladow über Schwanenwerder
nach Beelitzhof. Der Fährverkehr wurde u.a. vom Kladower Hotel
"Märkischer Hof" betrieben. Zwischen Kladow und Beelitzhof
sollte nach Vereinbarungen zwischen Kladow und Berlin sollten mindestens
drei Fahrten pro Tagen (früh, mittags und abends) für Schulkinder
stattfinden. Während der Ferien wurden die Fahrten auf 2 mal pro
Tag und auf die Strecke Kladow <> Schwanenwerder reduziert.Während
der Inflation stieg der Fahrpreis auf 300 Mark [1].
Imchen 

Seit 1988 ist Imchen Landschaftschutzgebiet. Die dem Kladower Hafen
vorgelagerte Insel beheimatet seltene Vogel- und Insektenarten und wegen
seines ihres Schutzstatus' für die Bevölkerung unzugänglich.
Kälberwerder 

Das 4000 m² große Kälberwerder befindet sich im Eigentum
des Ruderklubs Wannsee und ist nur von Clubmitgliedern oder mit Sondergenehmigung
zugänglich. Der Kaufmann Albert Thiemt, der Mitglied des Ruderklubs
war, kaufte 1933 die Insel und überließ sie dem Ruderklub.
Pfaueninsel
(ehem. Kaninchenwerder) 

Alle Einzelheiten zur Pfaueninsel sind auf der Internetseite
von Markus Jurziczek bestens zusammengetragen und bedürfen
hier keiner weiteren Erwähnung.
1811 gab es einen erste Lastfährverbindung von der Pfaueninsel
zum Festland. Erst 1821 gab es eine öffentliche Fähre, da
die Insel dienstags bis donnerstags Besuchern zugänglich gemacht
wurde (es verkehrte auch ein Dampfer von der Pfaueninsel nach Potsdam).
Ein 1905 in Dienst gestelltes Holzboot sank 1945 schwer beschäfigt.
1948 wurde es gehoben und 1950 der Fährbetrieb wiedereröffnet.
Im gleichen Jahr wurde auch der Antrag für die Einrichtung eines
Fährverkehrs zwischen der Pfaueninsel und dem Kladower Ausflugslokal
Brüningslinden gestellt, der aber wegen geringer Rentabilität
und einem Fährverlauf zu dicht an der Zonengrenze abgelehnt wurde.
1956 richtete man zwischen dem Nikolskoer Weg und der Pfaueninsel eine
Seilfähre (für 2 KfZ und 60 Personen) ein, die 1968 durch
eine neue Wagenfähre mit Motorantrieb ersetzt wurde [1].
Heute verkehren die kleine Personenfähre "Louise" (Baujahr
1968), die 25 Personen aufnimmt, und eine zwanzig Tonnen schwere Wagenfähre
(22,2 m), die ein Auto und 150 Personen transportieren kann. Überholzeiten
sind von November bis Februar zwischen 10 und 16 Uhr, im März und
Oktober von 9 bis 17 Uhr, im April und September von 9 bis 18 Uhr und
zwischen Mai und August von 8 bis 21 Uhr und nach Bedarf. Die Fähre
wird von der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten betrieben,
der Fährmann heißt Andreas Naruhn [3].
Fahrpreise: Erwachsene 2 €, ermäßigt 1 € (inkl.
Parkeintritt)
Fahrpreise früher: 1905 zwanzig Pfennig, Mitte 1922 zwei Mark,
Ende 1922 zehn Mark, 1923 hundert Mark, 1950 zwanzig Pfennig, 1958 dreißig
Pfennig, 1970 fünfzig Pfennig, 1976 eine Mark, 1981 anderthalb
Mark. DDR-Bürger durften kostenlos mitfahren.
Informationen zum Fährverkehr: Tel. 80109742 oder 80586831
Hölzerner Fährpram mit Seilzugantrieb, Foto: Sammlung
Schreck (1905) /Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Verkehrsblätter
Motorboot "Pfaueninsel", Foto: Karl-Heinz Schreck (1964)
/Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Verkehrsblätter
Motorboot "Louise", Foto: Sammlung Ulma (1986) /Mit freundlicher
Genehmigung der Berliner Verkehrsblätter
Pfaueninsel-Wagenfähre, Foto: Suedwestweb
Steglitz-Zehlendorf
ebenso, Foto: Ulrich
Orling

BVG-Fähre
F10 Kladow <> Wannsee
1892 nahm die Stern-Schifffahrt die Fährverbindung Wannsee <>
Kladow in Betrieb. 1926 betrug der Fahrpreis 40 Pfennige, 1933 wurde
er auf 30 Pfennige reduziert [1].
Die Personenschifffahrt der BVG wurde im Jahre 1944 ins Leben gerufen.
Auf Grund von Treibstoff- und Reifenmangels im Krieg musste die Buslinie
34 (heute 134) von Pichelsberg nach Kladow eingestellt werden. Als Ersatzverkehr
wurden am 26. Juni 1944 zwei Fährlinien (zum Bustarif) mit 16 von
Reedereien angemieteten Schiffen eingerichtet:
Die Linie 1 verkehrte von Kladow nach Wannsee (3,8 km) in 17 Minuten
und die Linie 2 verkehrte von Kladow bis zur Stößchenseebrücke/Heerstr.
(9,1 km) in 65 Minuten.
Ein paar Tage späte, am 5. Juli, wurden die Linien 1 und 2 zusammengefasst.
Die Fährlinie verkehrte jetzt von der Stößenseebrücke
bis nach Wannsee mit den Anlegestellen Schildhorn, Akademie (später
Gatow), Badewiese, Gatow (später Fliegerhorst), Kladow, Heckeshorn.
Die Fähren verkehrten alle 30 Minuten zwischen 5 und 22 Uhr. Im
Oktober 1944 musste der Takt wegen Personenmangels auf 120 Minuten am
Sonntag und auf einen Stundentakt unter der Woche ausgedünnt werden.
Zwischen Weihnachten 1944 und dem 9.Februar 1945 ruhte der Verkehr auf
den Fährlinien, da die Havel zugefroren war. Wegen den schweren
Kampfhandlungen in Berlin ruhte der Schiffsverkehr wieder zwischen dem
20. April und dem 31. Mai 1945 [2].
Vor Kriegsende verkehrten zuletzt 24 Schiffe, nach Kriegende nur noch
ein Drittel davon. Der Fahrpreis betrug 20 Pfennige.
Im Sommer 1945 wurde der Anleger Heckeshorn stillgelegt, da dort bei
Kriegsende Munition versenkt wurde, im Februar 1946 wurde auch die Station
Schildhorn mangels Fahrgästen eingestellt.
Im Juli 1946 wurden zwei Schiffe beschlagnahmt, sodass kurzfristig der
Verkehr zwischen Kladow und Heerstr. eingestellt werden musste, im Oktober
1946 wurde der Verkehr wieder aufgenommen, Anfang 1947 standen letztendlich
nur noch 5 Schiffe der BVG zur Verfügung, sodass ein 90-Minuten-Takt
gefahren werden konnte.
Während der Blockade 1948/49 gab es wieder zwei Linien, die getrennt
zwischen Stößenseebrücke und der Gatower Badewise sowie
zwischen Kladow und Wannsee verkehrten. Zwischen Wannsee und Kladow
verkehrte 1949 alle Stunde ein Schiff und zwischen Kladow und der Stößenseebrücke
alle zwei Stunden [2].
Am 3. Oktober 1949 wurde der Abschnitt Stößchenseebrücke-Kladow
aufgegeben. Die Fähre Kladow-Wannsee verkehrt seit diesem Tage
im Studentakt bis heute. Im Mai 1956 wurde die Fährlinie von der
Stern- und Kreisschifffahrt übernomen, darf aber bis heute zum
BVG-Tarif genutzt werden.
Die Fähre trägt seit 2. Juni 1991 die Bezeichnung
F10. Sie verkehrt bis heute stündlich
werktags zwischen 6 und 19 Uhr (im Winter bis 18 Uhr), samstag von 7
bis 19 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr (im Winter bis 16 Uhr) [3].
Fahrpreise: Erwachsene 2,10 €, ermäßigt 1,40 €
(alle BVG- oder VBB-Zeitkarten bzw. Einzeltickets gültig)
Informationen zum Fährverkehr: Tel. 19449 oder 25624740
geplante
Autofähre Wannsee-Beelitzhof <> Kladow
1957 beantragte Karl Kittel (der spätere Betreiber der Fähre
Tegelort <> Hakenfelde) die Einrichtung eine Autofähre von
der Scabellstr. am Beelitzhof nach Kladow. Er wollte dafür ein
160 m² großes Schiff für 12-14 KfZ oder 250-300 Passagiere
für 100.000 DM bauen. Der Fährpreis sollte zwei DM pro PKW,
eine DM für ein Moped und 30 Pfg. pro Person betragen. Da der Stauraum
für die Autos warte und die Fähre evtl. unrentabel geworden
wäre, änderte Kittel seinen Plan und wollte zwischen Kladow
und der Schwanenwerderbrücke eine Fähre einrichten. Er hatte
dafür ein Boot namens "Christa" für 20 PKWs vorgesehen,
die Überfahrt sollte 1,50 DM kosten. Der Antrag wurde abgelehnt,
da mindestens zwei Fähren notwenig gewesen wären und die Fähren
hätten ein Landschaftschutzgebiet durchfahren müssen. 1967
und 1983 gab es erneut Anträge für eine solche Autofähre.
1986 plante der Tegelort-Hakenfeld-Fährenbetreiber Wolfgang Burchadi
die Einrichtung einer Wagenfähre nach Wannsee, dieses Projekt scheiterte
auch [1], [Fortsetzung folgt].
ehem.
Fähre Schlachtensee
1896 wurde August Hensel Fischereipächter des Schlachtensees. Damals
gab es drei Gaststätten am Schlachtensee (die Alte Fischerhütte,
das Schloß Schlachtensee, das 1955 und die Neue Fischerhütte,
die 1938 abgerissen wurde.
Um 1900 betrieb Hensel eine Motorbootverbindung zwischen der Alten und
Neuen Fischerhütte sowie eine Fähre von der Neuen Fischerhütte
auf die gegenüberliegende Uferseite. Das Motorboot hieß "Siegfried".
Um 1906 kaufte Hensel ein 16,5 m langes, für 77 Personen ausgelegte
Boot mit Namen "Anne", 1920 das Boot "Sidonie" (14
m lang). 1913 wurde das Baden im Seee verbot, da der See in Privatbesitz
gelangte. 1940 wurde die Fährverbindung mangels Treibstoff eingestellt
wurden, im November 1945 wurden die beiden Boote durch eine Brandstiftung
zerstört. Hensel nahm trotzdem mit einem Fischerkahn den Fährverkehr
zum gegenüberliegenden Ufer wieder auf. !964 kaufte er ich ein
neues Ponton-Ruderboot, nach dem Tod August Hensel übernahm sein
Sohn Günter den Fährbetrieb, den er 1976 wegen zu geringer
Nachfrage einstellte [1].
Motorboot "Sidonie", Foto: Sammlung Schreck (1935) /Mit
freundlicher Genehmigung der Berliner Verkehrsblätter
Revier
Potsdam
Hermannswerder (ViP-Fähre
F1)
[folgt
in Kürze]
Seilfähre Hermannswerder, Foto: Michael
Dittrich
ebenso, Foto: Michael
Dittrich
ehem. ViP-Fähre F2 Glienicker Brücke <> Sacrow
und ehem. Fähre Krughorn <> Sacrow
Zwischen dem Ort Sacrow im Norden (ungefähr von der Stelle, an
der heute die Heilandskirche steht) und dem einem aufgeschütteten
künstlichen Uferhorn namens Krughorn (nahe der Gaststätte
Moorlake) verkehrte sei Mitte des 18. Jahrhunderts ein Fährprahm
für Gespanne und Vieh. 1877 löste ihn ein neuer Prahm ab.
Als 1840 die Heilandskirche in Sacrow erbaut wurde, musste
der Anleger verlegt werden. Eine Hin- und Rückfahrt kostete 1856
für Einheimische einen Silbergroschen und 1856 anderthalb Silbergroschen.
Auswärtige musste das Doppelte, 20 Pfg., zahlen. Kostenlos fuhren
Schüler aus umliegenden Schulen unter 14 Jahren, Kirchgänger
zur Heilandskirche und die Förster mit. Schon
in der Kaiserzeit dachte man über eine Brücke oder einen Tunnel
nach, beide Pläne scheiterten. Die Seilfähre verkehrte bis
1931 im Handbetrieb, dann musste sie durch eine freifahrende 30-PS-Dieselmotorfähre
(30 t Traglast, 6 km/h Geschwindigkeit, 21 m lang, für 150 Personen)
ersetzt werden, da der Schiffsverkehr auf der Havel zu rege geworden
war. Außerdem verbreiterte man die Havel, sodass die Fähre
jetzt 235 Meter Fahrstrecke statt 165 Meter zurücklegen musste.
Wegen Benzinmangels wurde die Motorfähre 1940 durch die
alte Seilzugfähre ersetzt und wegen des Einreiseverbots in die
DDR für Westberliner zu Pfingsten 1952 eingestellt.
Als Ersatz verkehrte seitdem bis zum Mauerbau ein Motorboot
zwischen Sacrow und der Glienicker Brücke (auf Potsdamer Seite).
[1961-2006 folgt]
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________________
Quellenhinweis: |
| |
| [1] |
Schreck,
Karl-Heinz (1986): Fähren im Bereich Berlin West. Berliner
Verkehrsblätter Jahrgang 1986, Ausgaben 4,5,6,7 |
| [2] |
Kramer,
Wolfgang und Hilkenbach, Sigurd (1987): Typisch Berlin - Ein BVG-Porträt,
hrsg. von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). |
| [3] |
Fährdatei
des Deutschen Schiffahrtsmuseums |
| [4] |
http://www.insel-scharfenberg.de/ |
| [5] |
Jüttemann,
Andreas (1996): Chronik Nikolassee. Bis 2001 veröffentlicht
unter "NeuZehlendorfWeb". |