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Straßenbahnen im Lebuser Land
     
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Küstrin / Kostrzyn

1903 bekam Küstrin eine Pferdebahnstrecke, die 20 Jahre lang (bis 1923) in Betrieb war.
Die Pferdebahn verkehrte zwischen dem Küstriner Stadtwald, dem Bahnhof Neustadt und dem Bahnhof Altstadt sowie zwischen der Infanteriekaserne auf Neustädter Seite und dem Marktplatz in der Altstadt.

Die zweite Episode in der Straßenbahngeschichte der Stadt dauerte auch nur 20 Jahre: Von 1925 bis 1945 verkehrte eine Elektrische Straßenbahn zwischen Alt- und Neustadt. Um 1925 gab es in Küstrin drei Straßenbahnlinien, die einfache Mitfahrt kostet 15 Pfennige für Erwachsene:

Linie 1: Bahnhof Altstadt <> Markt <> Stern <> Bahnhof Neustadt
Linie 2: Stern <> Landsberger Straße <> Finanzamt
Linie 3: Stern <> Zorndorfer Straße <> Stadtwald

 


Geschichte
Die Strassenbahn begann am ehem. Küstriner Hauptbahnhof, der sich in der Neustadt befindet und somit den Namen Küstrin - Neustadt Hbf trug. Da es die Küstriner Altstadt heute nicht mehr gibt, heißt er numehr nur Küstrin (polnisch Kostrzyn). Küstrin war und ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Hier kreuzen sich die eheml. Ostbahn (Berlin - Königsberg / Pr) und die Stettin - Schlesische Bahn (Stettin - Breslau). Zudem war Küstrin preussische Festungsstadt.

Vom Hauptbahnhof führte die Straßenbahn zunächst durch die Bahnhofstraße, überquerte die Warthe und erreichte dann die Altstadt, in der sie die sog. Festung Brandenburg (deren einzelnen Abschnitte noch einmal eigene Namen führten) durch das Berliner Tor durchqueren mußte.
Diese Durchfahrt ist auch heute noch erkennbar, wenn man den Straßengrenzübergang Kostrzyn benutzt. Nach Durchquerung der Altstadt und des Marktplatzes gelangte die Straßenbahn über die Oderbrücken auf die Oderinsel, die auch heute zum Bundesgebiet gehört, aber nicht mehr bewohnt ist. Vorbei an Kasernen (die auch heute noch als solche erkennbar sind, bog sie rechts ab und erreichte nach wenigen hundert Metern den Bahnhof Küstrin - Altstadt, der ebenfalls noch als Ruine erhalten ist. Schon sehr früh munierten die Bewohner der westlichen Stadtteile wie Kietz, dass die Straßenbahn bereits am Altstädter Bahnhof enden würde, dabei gäbe es für sie keine adäquate Verkehrsanbindung an die Innenstadt. Wegen leerer Kassen konnte das Projekt, die Straßenbahn in Richtung Westen zu verlängern aber nie verwirklicht werden (die Planungen existierten bis 1945). Allerdings wollte der Stadtrat im Jahre 1933 eine versöhnliche Geste an die straßenbahnlosen Vorstädter richten: Er unterstützte mit lediglich 1.500 Reichsmark den Weiterbau der Linie Richtung Kietz. Allerding reichte das Geld nur für eine Haltestelle: Ende 1933 wurde die Straßenbahnlinie 1 vom Bahnhof Altstadt bis zum "provisorischen", aber dann doch endgültigen Endpunkt "Odervorflutbrücke" verlängert.

Ab März 1945 tobten dann die Kämpfe um Küstrin und als die Rote Armee die Stadt am 30. März endgültig erobert hatte, war sie vollkommen zerstört. Da man aufgrund der starken Zerstörungen die Stadt eigentlich gar nichts wieder aufbauen wollte, schaffte man noch brauchbare Steine zum Wiederaufbau nach Zentralpolen. Erst in den 50iger Jahren wurde Küstrin - Neustadt dann wiedererrichtet, da die Bahn- und Industrieanlagen der Stadt, sowie der Hafen, relativ unbeschadet durch den Krieg gekommen waren. Die Altstadt blieb als Trümmerfeld unberührt. Hier zeugen nur noch Keller und Häuserreste, sowie noch erkennbare Straßenlinien (tlw. mit Schienenfragmenten) davon, dass hier vor über 60 Jahren einmal einmal städtisches Leben stattgefunden hat.

Text: Thorsten Bartel

Übersichtskarte
(braun eingezeichnet: die stillgelegte Straßenbahn)



Fotos


Oderbrücke mit Straßenbahn,
Quelle: Csallner, H. (2002): Bilder aus Ostbrandenburg, Dörfler Verlag Eggolsheim, ISBN 3-89555-039-6 - mit freundlicher Genehmigung


ebenso,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Der 1945 zerstörte Marktplatz der Altstadt mit Straßenbahn,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Das Berliner Tor,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Festungswerk "Hoher Cavalier" mit Straßenbahn,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Der Hauptbahnhof in der Küstriner Neustadt,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Die Kaserne des 48. Infanterie-Regiments in Küstrin-Neustadt mit Pferde-Straßenbahn im Vordergrund,
Quelle: Csallner, H. (2002), a.a.O.


Pferdebahn, 1903,
BAHNINFO ARCHIV SACHSEN


Markt, 1938,
BAHNINFO ARCHIV SACHSEN


Warthebrücke, 1928,
BAHNINFO ARCHIV SACHSEN


Markt, 1930,
BAHNINFO ARCHIV SACHSEN


Plantagenstr., 1929,
BAHNINFO ARCHIV SACHSEN